Privater Proxy

GlypeWas gibt es nicht alles für Interessenskonflikte… Man arbeitet in einem institutionellen Netz, bestimmte Internetressourcen sind aus welchen Gründen auch immer gesperrt, man braucht sie aber. Der klassische Ausweg: einen öffentlich zugänglichen Proxyserver benutzen, der die Sperrung überlistet. Im Prinzip schon richtig, aber was tun, wenn die bekanntesten Proxies auch gesperrt werden?

Abhilfe schafft ein auf dem eigenen Webspace installierter Proxy. Davon gibt es etliche, aus prinzipiellen Gründen fällt die Wahl auf Open-Source-Software. Der von mir bisher benutzte phproxy (auch bekannt als poxy) wird leider seit längerer Zeit nicht weiterentwickelt, aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich denn doch eine permanent gepflegte Software.

Nach etlichen Vergleichen fällt die Wahl auf das recht weit verbreitete Glype. Der Vorteil dieser Lösung ist eine einfache und recht weitreichende Konfigurierbarkeit über ein Admin-Panel.

Die Installation und der Betrieb laufen problemlos: Stimmen die Voraussetzungen (php ab 5, cURL muss aktiviert sein), lädt man das Paket per FTP auf den Webspace, ruft das Konfigurationsskript auf – fertig. Unter Umständen müssen einige Verzeichnisrechte angepasst werden, das ist aber auch schon alles. Danach erfolgt der Aufruf des Proxy per Webbrowser, im dann erscheinenden Eingabefeld wird die Ziel-URL eingegeben und die gewünschten Optionen (betreffs Skripte, Cookies etc) gesetzt – und schon kann man in der Regel die geblockten Websites aufrufen. In einigen Fällen wird der Zielwebsite ein mobiler Browser vorgegaukelt, aber zumindest bleibt die Seite aufrufbar.

Warum begibt man sich auf solche Pfade, wenn man eigentlich nichts zu verbergen hat? Nicht ganz selten kommt es vor, dass ich internetbezogene Fortbildungen in Institutionen mit restriktiv gehandhabten Netzen zu halten habe. Dann ist es gar nicht lustig, Standarddienste (zB Youtube, Facebook) nicht aufrufen zu können. Ein privater Proxy schafft da ein doppeltes Netz.

Wichtig: Die Geschäftsbedingungen des Providers des Webspaces sollten schon überprüft und beachtet werden, gerade Betreiber von sehr kostengünstigen oder gar freien Angeboten untersagen oft den Betrieb von Proxies. Auch wenn das nicht der Fall ist, sollte das betreffende Verzeichnis mindestens per .htaccess geschützt werden, um Missbrauch zu vermeiden. Möglicherweise untersagen auch die Nutzungsbedingungen der Institution explizit das Umgehen technischer Sperren; in dem Falle ist eine vorherige Absprache mit den Verantwortlichen ratsam.

Edmodo vs. Moodle?

WaageAuch als bekennender Moodler wildert man gern mal abseits des Stammreviers :-) Im vergangenen Halbjahr kamen auf diese Weise eine ganze Reihe an Ausflügen zu einer sehr spannenden, funktionalen und sich rasch entwickelnden Plattform zustande – zu Edmodo. Die ersten Eindrücke davon finden sich in einem älteren Blogbeitrag.

Inzwischen ist die Plattform in unterschiedlichen Unterrichtszusammenhängen genutzt worden, Zeit also für eine Art Bestandsaufnahme (einer recht subjektiven, wohlgemerkt!).

Edmodo hat eine Rolle gespielt in folgenden Kontexten:

  • Behandlung des Films “East is East”, Englisch Klasse 12
  • Medienkunde-Einheit zu sozialen Plattformen mit mehreren Klassen 9
  • Lektürekurs “A long way down” , Englisch Klasse 12

Die Zielgruppen, Unterrichtszusammenhänge und Stoffe sind also recht unterschiedlich gewesen; gemeinsam war allen Schülergruppen aber, dass sie bereits Erfahrungen mit anderen Internetplattformen, insbesondere Moodle, hatten (was vereinzelt durchaus auch zu Überdruß: Nicht noch eine Plattform! führte). Trotz der eben angedeuteten Diversität gab es dennoch eine Reihe an Konstanten, die sich hoffentlich gleich erschließen werden.

Es hat sich erwartungsgemäß gezeigt, dass die Einstiegsschwelle zu Edmodo für die Schüler extrem niedrig ist, dazu trägt das simple Anmeldeprozedere, die aufgeräumte Oberfläche und das sehr Facebook-ähnliche Look & Feel bei, sicher auch die im Grunde recht begrenzte Anzahl an Einzelfunktionen. Von den Schülern sofort bemerkt wurde die Abwesenheit eines privaten Mitteilungsdienstes: die Schüler erwarten eine solche Funktion in einer sozialen Plattform natürlich; bei Edmodo ist sie bewusst weggelassen (das soll sicher zur Fokussierung auf die unterrichtliche Arbeit und zum Unterbinden von Mobbing beitragen).

Bewährt hat sich Edmodo in der direkten Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern – dafür ist die Plattform fast ideal geeignet; auch eine differenzierte Kommunikation mit Gruppen / kleinen Gruppen / Einzelschülern ist unkompliziert möglich. In allen Gruppen ist Edmodo auch die Möglichkeit genutzt worden, Aufgaben zu erteilen, einzusammeln und Bewertungen zu geben. Wider Erwarten gab es aber in allen Gruppen Schüler, die mit dieser Aktivität ihre Probleme hatten; ihnen war der Unterschied zwischen einem “normalen” Eintrag auf der jeweiligen Pinnwand und einer einzureichenden Aufgabe offensichtlich nicht klar. Das mag zum Teil auf eine nicht gründlich genug erfolgte Einführung zurückzuführen sein, weist aber sicher auch auf eine Funktionsüberschneidung zumindest in der Wahrnehmung der Schüler hin.

Als sehr hilfreich erwies sich die Möglichkeit, Dateien entweder direkt über Pinnwand-Anhänge oder aber über die “Bibliothek” verfügbar zu machen; Quiz und Umfrage hingegen kamen kaum zum Einsatz. Allerdings hat gerade das Quizmodul eine recht positive Entwicklung genommen, mit den derzeit verfügbaren Fragetypen und Konfigurationsmöglichkeiten sollte es gut und komfortabel möglich zu sein, schnell einfache Tests zu generieren und durchzuführen.

Eines jedoch fehlt Edmodo gänzlich: spezifische Tools, um komplexere Gruppenarbeitsformen, arbeitsteiliges Vorgehen etc. wirklich angemessen umsetzen zu können. Im Grunde bietet Edmodo eine skalierbare Pinnwand-Kommunikation, komfortable Wege zu eher top-down gestalteten Lehrer-Schüler-Kommunikation, Dateiablage und -distribution sowie einfache Testmöglichkeiten. Wohlgemerkt – das ist nicht wenig, kommt in einer sehr intuitiv beherrschbaren Umgebung daher und kann in einem entsprechend gestalteten Unterrichtsszenario durchaus großes Potenzial entfalten, die Beschreibung der Grenzen ist also ausdrücklich keine Kritik am offensichtlich bewusst beschränkten Funktionsumfang der Plattform. Einige andere Funktionen (Elterncode, wirklich funktionierende mobile Apps, interne Communities wie z.B. Language & Arts) hingegen sind wirkliche Alleinstellungsmerkmale.

Im Lichte der eben angerissenen Erfahrungen halte ich den in letzter Zeit häufiger zu lesenden Vergleich von Edmodo und Moodle bzw. die Auffassung, dass soziale Plattformen wie Edmodo herkömmliche LMS weitgehend obsolet machen können, für nicht wirklich sachgerecht, ein solcher Vergleich muss m.E. an der Sache vorbei gehen. Warum?

Edmodo eignet sich aus meiner Sicht ganz hervorragend, um die Kommunikation in Lerngruppen, Klassen, Schulen zu unterstützen und punktuell Lernabschnitte zu begleiten, gewissermaßen ein ergänzendes Angebot aufzubauen. Es hat klare Vorteile bei der Bedienbarkeit, bietet eine extrem niedrige Einstiegsschwelle für Lehrer und Lerner und kann (wegen der sparsamen Datenerhebung, der für Nutzer nicht verfügbaren Protokollierung und des Elterncodes) recht erfolgreich Datenschutzbedenken umschiffen.

Für umfangreichere und komplexere Lernabschnitte bietet jedoch ein LMS wie Moodle ungleich mehr: durch die große Anzahl an Ressourcen- und Aktivitätstypen sind abwechslungsreiche und individualisierbare Lernszenarien umsetzbar; seine wirklichen Stärken jedoch spielt Moodle meiner Erfahrung nach aber aus, wenn es um die Gestaltung kollaborativer Lernprozesse geht. Entsprechend umgesetzte Aktivitäten wie Foren, Wiki, Datenbank, Glossar oder auch die Möglichkeiten zur Rollenüberschreibung bieten auch im Vergleich zum “normalen” Kontaktunterricht eine genuine Bereicherung für soziale Lernformen. Ein großer Vorteil dieser Funktionsvielfalt liegt m.E. darin, dass individuellere und stark kontextuierte Lernumgebungen unterstützt werden können. Das hat im Falle von Moodle aber natürlich den Preis einer erheblich höheren Komplexität – damit eines höheren Initialaufwands für Lehrer und Lerner – und einer durchaus nicht vorbildlichen Bedienbarkeit.

Genauso wahr ist natürlich aber auch, dass nicht die verwendete Plattform an sich den Lernerfolg bestimmt, entscheidend ist neben der didaktisch schlüssigen Gestaltung der Lernangebote innerhalb der Plattform vor allem die Schnittstelle zwischen den Arbeitsphasen in Plattformen und “normalem” Kontaktunterricht.
Eine Art Allzweckwaffe ist keine der beiden Plattformen; mit Edmodo lassen sich aber ganz sicher Lehrer und Schüler erreichen, die vor Moodle aus guten Gründen zunächst zurückscheuen. Auch wenn es tatsächlich vor allem um Kommunikationsmöglichkeiten mit und in Lerngruppen geht, wäre Moodle sicherlich übermotorisiert.

Wie sind Eure Erfahrungen und Reflexionen hierzu?

 

Tauschzentrale: Moodle Community Hub

Screenshot Moodle Community Hub

Seit Moodles Versionswechsel auf 2.0 gibt es die Möglichkeit, Kurse über sog. Community Hubs zu tauschen. Diese – eigenartigerweise recht wenig beachtete – Funktion scheint mir eine der potenziell mächtigsten Neuerungen bei Moodle zu sein. Kursautoren und Betreiber von Moodle-Instanzen wissen um den Aufwand bei der Kurserstellung, die Notwendigkeit eines einfachen Tauschs von Content, aber auch die mannigfaltigen Hürden und Schwierigkeiten beim Veröffentlichen und Tauschen von Kursen bzw. Kursbausteinen. Umso wichtiger ist es m.E. , unkomplizierte Möglichkeiten verfügbar zu haben, um einen solchen Austausch erst einmal prinzipiell zu ermöglichen und so einfache Distributionskanäle zu eröffnen. Ob sie dann auch breit genutzt werden, steht auf einem anderen Blatt…

Worum geht es bei den Community Hubs? Moodle.org stellt mit Mooch einen eigenen öffentlichen Hub zur Verfügung. Ab Moodle 2.0 können nun Kursautoren ihre Kurse eigenverantwortlich auf diesem (oder anderen) Hub veröffentlichen, vorausgesetzt natürlich, dass das eigene Moodle administrativ entsprechend eingestellt ist. Dazu müssen im Kursmenü unter “Veröffentlichen” lediglich einige wenige Einstellungen gemacht werden, dazu gehören Kursbeschreibung und -kategorisierung, Lizenzangaben etc. Im Anschluss hat der Kursautor die Wahl, den Kurs auf zwei Wegen verfügbar zu machen: als Download (dann wird eine Kurssicherung auf den Hubserver geladen) oder per Einschreibung auf der eigenen Instanz.

Neben der Nutzung des globalen Community Hubs gibt es jedoch auch die Möglichkeit, einen eigenen Hub zu betreiben. Dazu bedarf es einer separaten Moodleinstanz (also nicht der eigenen Unterrichtsinstanz!), die mit dem entsprechenden Plugin zum Hubserver gemacht wird. Der Hub kann dann in verschiedenen Öffentlichkeitsstufen betrieben werden, Näheres zum Aufsetzen und Administrieren findet sich im entsprechenden Teil der MoodleDocs.

Mit dem so möglichen Eigenbetrieb von Community Hubs ist es möglich, eine Infrastruktur für ein ganzes Netzwerk von unterschiedlich gearteten Hubs aufzubauen und Kursautoren die Möglichkeit zu geben, ihre Inhalte zu tauschen. Gerade im Lichte der gegenwärtig mit neuer Dynamik geführten Diskussion rund um Open Educational Resources tun sich hier m.E. erhebliche Chancen auf.

Über das Jenaer SchulMoodle betreiben wir seit der Veröffentlichung der Hubfunktion einen eigenen Hubserver, der mit dem offiziellen Umstieg unserer Plattform auf 2.x endgültig öffentlich gehen soll. Derzeit bemühen wir uns, andere Moodle-Aktivisten zu finden, die sich an einem v.a. schulbezogenen Netzwerk von Community Hubs beteiligen wollen. Innerhalb eines solchen Netzwerks würden wir unsere Plattformen für diese Hubs öffnen, aber natürlich auch unseren Hub für den Kursaustausch verfügbar machen. Über Interesse würden wir uns freuen!

Den Umgang mit dem Hub erklären zwei kleine Videotutorials.

Zur Freigabe und Recherche von Kursen:

Zum Einbinden des Hubs in die eigene Instanz:

Owncloud als Moodle-Repository

In einem früheren Blogbeitrag habe ich Owncloud als attraktive Dropbox-Alternative im Eigenbetrieb vorgestellt. Da eine Owncloud-Installation als WebDAV ansprechbar ist, sollte eine Einbindung als Datei-Repository in eine Moodle 2.x – Installation kein Problem darstellen, sofern die Einstellungen richtig gesetzt werden. Das kleine Tutorial demonstriert das Einbinden von Owncloud (Version 2) in eine Moodle-Installation (2.3). Meines Erachtens tun sich hier gerade für Bildungsinstitutionen interessante Möglichkeiten auf, eine vom jeweiligen Nutzer selbst verwaltete Dateiablage zu benutzen und die dort abgelegten Materialien in Moodle-Kursräumen zu benutzen.

Owncloud - Dropbox im Eigenbetrieb

Logo OwncloudEins der wesentlichen Tools des aktiven Internetnutzers ist ein Online-Speicher zum Ablegen, Teilen und Synchronisieren von Dateibeständen, ggf. sogar für das sichere off-site-Backup. Beliebt und weit verbreitet sind Dienste wie Dropbox oder box.net, die Zahl der Alternativen wächst ständig.

Besonders Dropbox hat sich als Quasi-Standard etabliert; die per API andockbaren externen Dienste und  der leichte Gebrauch machen den Service sehr attraktiv. Dennoch können manche Nutzer berechtigte Einwände gegen die Dropbox geltend machen: Sicherheitspannen wurden bekannt, das Hinterlegen sensibler Daten bei einem externen Anbieter kann als unangebracht erscheinen, ein höheres Speichervolumen als die freien 2GB wird schnell recht teuer.

Da liegt der Gedanke nahe, einen vergleichbaren Dienst selbst zu betreiben, z.B. auf dem shared oder root-Server beim eigenen Internetprovider. Das wäre z.B. über WebDav möglich – nur gibt es da keine Möglichkeiten, Dateien oder Verzeichnisse mit anderen Nutzern zu teilen.

Zum Glück gibt es seit kurzer Zeit eine außerordentlich attraktive Alternative: Owncloud. Die unter AGPL lizenzierte Software lässt sich auf üblichen Webservern (php + Datenbank) installieren, die Installation lief zumindest bei mir problemlos ab. Continue reading Owncloud — Dropbox im Eigenbetrieb

Dank ans ZDF

Grafik: wikipedia.org

Unter der Überschrift kann es eigentlich nur um eines gehen: Den in Jena derzeit heiß diskutierten Aspekte-Beitrag, in dem unsere Stadt zu einer ostdeutschen Angstzone besonders für Menschen mit Migrationshintergrund stilisiert worden ist. Ganz sicher ist der Beitrag ärgerlich, andererseits bietet er, seine Vorgeschichte und das Echo bis hin zum Rock-gegen-Rechts-Konzert eine idealtypische Vorlage für eine Auseinandersetzung mit Medienwirkung, Manipulation und der medialen Macht von sozialen Plattformen. Wenn man dann im Medienkundeunterricht Kl. 9 ohnehin grad soziale Plattformen untersucht, passt das doch bestens…

Wenn man den Beitrag thematisiert, bietet sich zunächst ein analytischer Zugriff auf seine Machart an. Die ersten 12 Sekunden setzen den Erwartungshorizont für den Zuschauer, auch die Schüler erkennen sehr schnell den emotionalisierenden und manipulativen Ansatz (Präsentation Uhlys als Autorität durch starke Untersicht, bedeutungsschwangerer Kommentar aus dem Off, dräuende musikalische Untermalung, Symbolwert des schiefen Paradies-Schildes). Der journalistische ziemlich fragwürdige Ansatz wird durchgehalten – und ist von den Schülern schnell zu durchschauen: keine Erklärung der Ursachen für Uhlys Angst, der logische Kurzschluss bei der Übertragung der Situation von Luthardt auf Uhly, der Zirkelschluss am Ende.
Inhalt, Aussageabsicht und Machart des Beitrags wurden von den Schülern als manipulativ erlebt, die Reaktionen auf die Darstellung ihrer Heimatstadt reichten von ungläubigem Gelächter bis zu Empörung. Die Lebenswirklichkeit der jungen Leute hat mit dem Jena-Bild des Beitrags nichts zu tun – zum Glück. Erstaunlich dennoch, dass sie fraglos vorhandene rechtsextreme Tendenzen fast gar nicht wahrnehmen…

Im Anschluss setzten wir uns mit der ersten Reaktion der Aspekte-Redaktion auf die breite Kritik auseinander; auch hier war es aufschlussreich zu sehen, dass die Jugendlichen den Einstieg Christhard Läpples (Goethe-Zitat von Jena als närrischem Nest, Charakterisierung der Jenenser als rebellisches Völkchen, ZDF als derzeitiges Ziel der Rebellion) als Wegschieben von Verantwortung empfanden; auch die von Läpple behauptete Aussageabsicht des Aspekte-Beitrags deckte sich offensichtlich nicht mit ihrer Rezeption.

Beide Beiträge im Kontext bieten ein Lehrstück für die manipulative Macht von Massenmedien – eine wunderbare Ergänzung dazu bietet der offene Brief Uhlys, in dem er die Entstehung des Aspekte-Beitrags aus seiner Sicht rekapituliert.

Wirklich spannend wird es aber, wenn man die Reaktionen zB auf Facebook analysiert: Da gibt es zum einen den offenen Brief von Tommi Uhlemann, seine rasante Verbreitung und die durchaus spannenden Kommentare, aber auch die Veranstaltungsseiten zu Rock gegen Rechts. Die Qualität der Diskussion scheint mir (eher untypisch) durchaus höher als manch flachsinniges Geschwurbel zB in Kommentarthreads bei Tageszeitungen. Die FB-Reaktionen und der davon ausgehende Druck zu Reaktionen scheint mir ein gutes Beispiel für das Einfluss- und Korrekturpotential von social media auf etablierte Massenmedien zu sein.

Von daher – bei aller Enttäuschung (ich schätze die politische Berichterstattung des ZDF ansonsten durchaus): Dank an das ZDF für diese medienkundliche Lehrstunde!

Ergänzung: Am 05.12. gab es rund um die Sendung eine moderierte Diskussionsrunde im Theaterhaus Jena. Die Runde war auch per JenaTV-Livestream zu verfolgen. Anwesend war auch der oben erwähnte Aspekte-Redakteur. Sehr schnell – und sicher nicht unberechtigt – bewegte sich die Diskussion zu grundsätzlicheren Fragen rund um den gesellschaftlichen Umgang mit Rechtsextremismus. Trotzdem hat man für meinen Geschmack die ZDF-Leute viel zu schnell vom Haken gelassen: Läpple argumentierte mit der Absicht des Beitrags, eine Diskussion um Fremdenfeindlichkeit und Sicherheitsempfinden initiieren zu wollen und mit überwältigend positivem Feedback außerhalb Jenas. Beides trifft m.E. nicht den Kern. Ärgerlich war der völlige Verzicht auf eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der lausigen journalistischen Qualität des Beitrags – ich denk schon, dass das ZDF da erheblichen Klärungsbedarf hat.

Ein deutliches Kontrastprogramm zum Aspektebeitrag liefert die Serie von Video-Interviews von Jenapolis und IIK – differenziert und durchaus nicht unkritisch, authentisch und mit Verzicht auf billige emotionale Ansprache. So kann man das Thema seriös bearbeiten…

Einen Überblick vermittelt ein Zusammenschnitt dieser Interviews:

6. Moodlefest am LPM

Unter dem Motto “Schule 2.0 – Grenzen überwinden mit Moodle” führt das LPM Saarland am 31. Januar 2012 das nunmehr 6. Moodlefest durch. Aus diesem Anlass gibt es auch wieder ein Best Practice Award, bis zum 10.1. 2012 können beispielgebende Moodle-Kurse dazu eingereicht werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich das Moodlefest uneingeschränkt empfehlen – es sind interessante Anregungen und Kontakte zu erwarten!

Näheres hier.

Schultrojaner und OER

Foto: mellowbox, Wikimedia Commons

Aufruf zur Mitarbeit:

In den letzten Tagen ging es unter dem Stichwort Schultrojaner heiß her auf Blogs, bei Twitter, Facebook, Google+. Spannend zu beobachten war die Qualität der Diskussion mancherorten- manchmal nicht allzu weit vom Stammtisch entfernt, gelegentlich von Sachverstand ungetrübt, anfangs häufig reflexartig, vereinzelt – und im Laufe der Zeit zunehmend – überlegt und konstruktiv.

Eine detaillierte eigene Stellungnahme verkneif ich mir – ich würde mich etwa in einem Koordinatensystem wiederfinden, dessen Eckpunkte sich in den Äußerungen von Maik Riecken, Ralf Hilgenstock, Martin Kurz finden.

Ergänzung (08.11.2011): Herr Larbig wartet mit m.E. gut durchdachten strategischen Überlegungen auf, die die Diskussion sehr beflügeln werden.

Nur soviel: Einerseits scheint mir die Debatte – angestoßen von den Verlagen – ziemlich fehlgeleitet zu sein: Ja, Lehrer haben manchmal ein unterentwickeltes Unrechtsbewusstsein beim Urheberrecht (und dafür gibt es Gründe – warum etwa gibt es in Deutschland nicht die andernorts übliche fair-use Regelung?), aber die Vorstellung, dass kopierte Schulbuchmaterialien in Größenordnungen auf dem Schulserver liegen könnten, scheint mir nicht wirklich den Kern der Sache zu treffen :-)

Interessant ist hingegen, dass die Debatte – sicher von den Verlagen unbeabsichtigt – die Diskussion um Open Educational Resources beflügelt. In den o.g. Blogbeiträgen finden sich Verweise darauf, sehr interessante Überlegungen fand ich z.B. auch bei Herrn Rau.

All das ermutigt, ein Vorhaben rund um Open Educational Resources wiederzubeleben:Es ist sicher sinnvoll, die vielen Tipps und Infos zu OER, die im Netz umherschwirren, zu bündeln und leicht verfügbar zu machen. Mir würde etwas wie eine Datenbank frei verfügbarer Lernressourcen vorschweben. Vor einiger Zeit hab ich mal versucht, eine entsprechende Sammlung in einem Arbeitskreis unseres Landesinstituts zu initiieren, leider mit mäßigem Erfolg, obwohl gerade die Mediothek des Thüringer Schulportals durchaus spannende Ansatzpunkte bietet.
Entstanden ist eine kleine Sammlung von OER- Quellen in einem Dokument bei GoogleDocs. Dort finden sich etliche nach Fächern und Einsatzmöglichkeiten verschlagwortete Quellen. Wie wäre es, wenn man diese Sammlung durch eigene Beiträge bereichern würde? GoogleDocs ist sicher nur für den Anfang geeignet; zu überlegen wären alternative Formen (Wiki? Anbindung ans ZUM-Wiki? Einspeisen zB in Edutags oder andere schon bestehende Plattformen?). Was meint Ihr? Ich fänd es spannend und nützlich, eine solche Sammlung kooperativ aufzubauen… Für den Anfang hab ich das Google-Dokument mal völlig öffentlich gestellt, es kann also jeder völlig unkompliziert beitragen. Das Dokument bleibt, egal wie sich die Sache entwickelt, in jedem Falle auch leseoffen.

Verlosung Mahara Cookbook

Nach der kürzlich veröffentlichten Rezension zum Mahara 1.4 Cookbook hat mir der Verlag 3 Exemplare des Buchs als e-Book zur Verfügung gestellt, die ich über eine Verlosung unters Volk bringen kann. Ist doch ein schöner Zug, oder?

Machen wir es doch so: Schreibt hier in den Kommentaren zu Euren Erfahrungen mit Mahara und zu interessanten Einsatzszenarien. Interessant wären vor allem – nicht nur – schulische Szenarien. Welche Funktionen nutzt ihr, wie ist das Echo der Nutzer, gibt es Erfolgs- oder Mißerfolgsgeschichten? Welche Pläne bezüglich Mahara habt ihr?

Unter den Beiträgen verlos ich dann – selbstredend unter Ausschluss des Rechtsweges – die 3 E-Books.

Also, her mit Euren Beiträgen!

P.S.: Gerade stell ich fest, dass dies der 100. Artikel auf der Eventualitaetswabe ist. Time to celebrate :-) Ist doch ein angemessener Anlass für eine solche Verlosung, oder?

Rezension Mahara 1.4 Cookbook

Kürzlich erschien das Mahara 1.4 Cookbook von Ellen Marie Murphy als e-book bei Packt Publishing. Der Verlag war so freundlich, mir eine Kopie für diese Besprechung zur Verfügung zu stellen. Auf denn!

Schon der Titel, mehr noch der Untertitel “Over 50 recipes for using Mahara for training, personal, or educational purposes” erregt Aufmerksamkeit, in meinem Falle durchaus auch Skepsis. Prinzipielle Vorsicht scheint mir immer dann angezeigt, wenn jemand mit vermeintlich einfach zu kopierenden Rezepten didaktische Fragestellungen lösen will. Aber vielleicht ist der Titel ja nur eine Marketingidee und der Inhalt tiefgründiger als zunächst vermutet? Das wird zu untersuchen sein…

Das Handbuch folgt in der Struktur zunächst durchaus der Kochbuch-Idee: Es werden typische Szenarien besprochen, in denen der Einsatz eine e-Portfolios sinnvoll erscheint: Kapitel 1 zum Beispiel untersucht den Einsatz von Mahara für die Bildenden Künste und stellt dann verschiedene Realisationsformen vor: Hochladen von Bildern, Einbau von Schutzmechanismen, Fototagebücher mit Picasa, Projektjournale, das Anlegen einer Galerie mit Audio-Tour.

Schon an diesem Beispiel wird deutlich, dass die vorgestellten Szenarien durchaus originell sind und abseits der Standard-Portfolios liegen können. Continue reading Rezension: Mahara 1.4 Cookbook