Klassiker: Lochkameraprojekt

Am Ende des Schuljahres gibt es an meiner Schule regelmäßig eine thematisch orientierte Projektwoche. In diesem Jahr stand sie unter dem Motto “Licht”, es gab eine Vielzahl unterschiedlichster Workshops.

Mein Angebot für Interessenten der Klassenstufen 8 und 11 war ein eher klassisch-traditionelles rund um die gute alte Lochkamera. Da die Schüler an der Gestaltung des Workshops natürlich beteiligt waren, gab es doch einige Spannung, was aus dem Thema am Ende werden würde. Es stellte sich heraus, dass Prozess und Ergebnisse durchaus spannend waren, vielleicht können unsere Erfahrungen ja als Anregung dienen? Zunächst einige Bilder aus dem Projekt:

Lochkameraprojekt Anger 2015

Eine kurze Skizze mag das Projekt illustrieren:
Zunächst machten wir uns mit dem Prinzip der Camera Obscura vertraut, ein kurzer Blick in die Geschichte, vor allem aber der Umbau eines Raumes zur Camera Obscura waren echte Augenöffner. Anregend zum Beispiel das kleine Video der National Geographic:

Es ist schon ein starkes Erlebnis, im Raum zu stehen und – während sich die Augen an das Dunkel gewöhnen – an den Wänden eine Rundumsicht des Schulhofs entstehen zu sehen, komplett mit herumlaufenden Menschen…
Der Bau war schwieriger als gedacht: Die zunächst besorgte schwarze Pflanzfolie war nicht wirklich lichtdicht, die hohen Temperaturen auf dem Fenster lösten das verwendete Gaffer-Tape immer wieder ab… Version 2 mit großen Wellpappen am Fenster funktionierte schon besser. In unserem Falle war ein Loch von der Größe etwa eines 1-Euro-Stückes der richtige Kompromiss zwischen Bildschärfe und Lichtstärke.

Die Schüler recherchierten dann unterschiedliche Bauformen von Lochkameras und nahmen einige optische Grundregeln zur Kenntnis (wichtig hier vor allem das Verständnis der Bildweite).

In der Folge entstanden sehr unterschiedliche Bautypen aus Schuhkartons, Pringles-Dosen, Streichholzschachteln, Müsli-Kisten, den abenteuerlichsten Kombinationen aus mehreren Behältnissen… Fast alle Konstrukteure entschieden sich dafür, in die Kamera eine Projektionsfläche aus Transparentpapier einzuziehen, darüber dann einen Verdunklungsüberwurf aus schwarzem Stoff, und dann das Bild mit Handykamera oder Fotoapparat abzufotografieren. Das funktionierte selbst mit Handykamera erstaunlich gut – wenn man die erkennbare Struktur des Transparentpapiers eher als Reiz denn als Hindernis begreifen kann.

Eine Gruppe baute aus einem übergroßen Karton eine Camera Obscura, in die man hineinsteigen konnte – sehr beliebt bei jüngeren Schülern während der Projektpräsentation.

2 Teilnehmer bastelten Kameras, die tatsächlich auf Film bzw. Papier fotografieren konnten: aus einer großen runden Büchse und aus einer Streichholzschachtel. Der Einfachheit halber entschieden wir uns gegen Film und für Direkt-Positiv-Papier (leider nicht ganz billig, erspart aber den aufwändigeren Negativ-Positiv-Prozess bei der Entwicklung). Das populäre Papier von Ilford / Harman ist nicht mehr verfügbar, eine Alternative namens Imago ist aber beschaffbar. Entwickelt werden sollte das Ganze mit Caffenol, ein Blogbericht zeigte, dass das auch mit Direkt-Positiv-Papier funktionieren sollte. Unser Rezept war an sich einfach zu beherrschen. Leider waren in der Kürze der Zeit dann doch keine brauchbaren Ergebnisse zu bekommen: Die Kameras waren nicht hinreichend lichtdicht, und es fehlte am Ende die Zeit für Belichtungsreihen und Probeentwicklungen.

Fazit: Die Teilnehmer waren von der urtümlichen Form der Fotografie zumeist sehr angetan, das Mischverfahren (einfache Pappkamera, Projektion auf Transparentpapier, Abfotografieren mit Digitalkamera) funktioniert gut und führt schnell zu Ergebnissen, es entstanden Bilder mit eigentümlichem Reiz. Bei einem Folgeprojekt müsste man mehr Aufmerksamkeit auf die Papierentwicklung legen… Macht alles Mut.

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