Edmodo als schulische Lernumgebung?

Ja, ich geb es zu – lange Zeit habe ich Edmodo schlicht nicht auf dem Radar gehabt. Eigentlich peinlich – aber sei’s drum. Die in Aussehen und Funktionalität sehr an Facebook orientierte Anwendung gibt es seit 2008, sie begann als eine Art Twitter für Lehrer und Lerner. In letzter Zeit scheint sie sich rapide entwickelt zu haben, das betrifft sowohl den Funktionsumfang als auch die Akzeptanz und Verbreitung.

Die Nutzung der in Kalifornien beheimateten Umgebung ist kostenlos, die Terms of Use und die Privacy Policy erscheinen seriös und durchaus kompatibel mit schulischen Anforderungen, die Datenerhebung beim Anlegen eines Accounts ist sehr moderat – selbst eine E-Mail-Adresse ist lediglich optional anzugeben. Interessant ist der zweigleisige Zugang: Die Registrierung als Lehrer erlaubt es, Schülergruppen anzulegen. Diese erhalten automatisch einen Zugangscode, der bei Bedarf neu generiert werden kann.

Registriert sich ein Schüler, muss er zwingend einen Gruppencode eingeben – dieser Gruppe wird er dann automatisch zugeordnet.

Sollte es Bedenken von Eltern geben, dürfte die Möglichkeit, spezielle Eltern-Accounts einzurichten, eine guter Weg zu mehr Transparenz sein.

Innerhalb der Gruppenplattform stellt sich dann recht schnell Facebook-Anmutung ein: die grundlegende Kommunikationsform sind Statusmeldungen, die seitens des Lehrers als note, alert, assignment oder poll versendet werden können. Die Empfänger können gefiltert werden, den Statusmeldungen können Dateien, Links oder Library-Items beigefügt werden. Die Bibliothek (library) ist eine Art interne Dateiverwaltung, in der Dateien – auch in Medienformaten – und Links in Ordnern organisiert und Gruppen zugeordnet werden können, für die Standard-Medienformate gibt es interne Player. Das ist – wie vieles andere in Edmodo auch – durchaus elegant gelöst. Ebenfalls elegant ist die Möglichkeit, die Statusmeldungen zu taggen und RSS-Feeds einzubinden.

Von Lernern abgeforderte assignments können bewertet werden, dafür bietet Edmodo ein spezielles Gradebook. Von diesen Bewertungen abgesehen sammelt Edmodo – anders als etwa Moodle – keine dem Lehrer zugänglichen Daten, er sieht keinerlei detaillierten Logs. Die extensive Protokollierung bei Moodle ist ja durchaus nicht unumstritten…

Will man die Plattform nicht nur für seine eigenen Klassen nutzen, gibt es die Möglichkeit, die Schule als Institution registrieren zu lassen, auf diese Weise hätte man noch eine übergeordnete Administrationsebene.

Sehr mächtig ist aber auch die Möglichkeit, Gruppen in kleinere Gruppen aufzuteilen, so lassen sich effizient Gruppen- und Paararbeit realisieren.

Insgesamt kann Edmodo als geschlossene Kommunikations- und Arbeitsplattform sehr überzeugen, sie ist sehr funktional und lässt sich durch die optische Nähe zu Facebook sehr intuitiv bedienen. Geht es bei Unterrichtsprojekten also um einen geschützten Raum, in dem die Arbeit und Kommunikation innerhalb einer Lernergruppe organisiert werden soll, wird man derzeit kaum etwas Besseres finden.

Soll der Unterrichtsansatz etwas tiefer gehen, werden bei Edmodo allerdings auch Begrenzungen deutlich: Wünschenswert wären spezielle Tools für kollaboratives Arbeiten (wie etwa Wiki) und die Möglichkeit, Arbeitsergebnisse auch außerhalb der Plattform sichtbar zu machen. Es gibt zwar für den Lehrer die Möglichkeit, einzelne Seiten als öffentlich zu definieren – aber Lerner selbst können das offensichtlich nicht tun.
Derzeit kann man die Plattform auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch bedienen, Deutsch ist noch nicht als Sprache  konfigurierbar. Trotz dieser Einschränkungen ist edmodo ein wirklich begeisterndes Angebot.

Einige sehr aussagefähige Quellen zu Edmodo:

Im Moment erwäg ich Edmodo für ein größeres Literaturprojekt – deshalb wär ich sehr, sehr neugierig auf Praxisberichte. Habt Ihr schon mit edmodo im Unterricht gearbeitet? Dann her mit Euren Erfahrungen!

8 comments to Edmodo als schulische Lernumgebung?

  • Ich habe Edmodo ausgewählt, um damit einen Teil der Kommunikation unseres Comenius-Projekts laufen zu lassen. Ich bin gespannt, wie es angenommen wird – es scheint mir eigentlich sehr bedienungsfreundlich zu sein. Gerade die Ähnlichkeit mit Facebook wird die Schüler ansprechen, denke ich.

  • Oh – das klingt interessant. Darf man auf ‘nen Erfahrungsbericht hoffen, wenn das Projekt weiter forgeschritten ist?

  • Lieber Uwe,
    Edmodo sieht wirklich sehr viel versprechend aus. Nach meinem FB-Tageszeitung-Projekt werde ich es mit meinen SchülerInnen testen, ich habe es schon sowieso auf meinem Blog gespeichert. : ))
    schau mal was für ein Tool ich inzwischen gefunden habe – http://www.similarsitesearch.com/- hier sind die Edmodo-Ergebnisse – http://www.similarsitesearch.com/q.php?URL=edmodo, das könnte für uns beim Bloggen sehr nützlich sein. Übrigens bald blogge ich auch hier – http://blog.goethe.de/majstersztyk/ – aber dann nicht mehr so privat wie bis jetzt: )
    beste Grüße
    Tünde

  • Danke, Uwe, für deinen Vorschlag und Link. Ich werde mir Edumodo ansehen. Eine Frage dennoch vorab: kann ein klassisches E-Portfolio (so wie wir es von Mahara kennen) im Groben umgesetzt werden? Ich halte nämlich die Veröffentlichung von “gelungenen” Lernergebnissen bzw. -reflexionen für wichtig. Auch wenn man vielleicht als Lehrer Seiten veröffentlichen muss, wie du berichtest, steht dem doch nichts im Wege, oder?

  • Eva Lacroix

    Ich habe Edmodo im Mai für ein Fremdsprachen-Schreibprojekt benutzt. Meine DeutschschülerInnen (gymnasiale Oberstufe in Frankreich) haben die Plattform rasch akzeptiert und recht problemlos benutzt. Sie haben allerdings ihre Texte und Kommentare nicht immer dort veröffentlicht, wo ich es erwartet hatte: meine “assignment”-Boxen haben nur selten Post bekommen. Die Aufgaben sind als “reply” oder gelegentlich als neuer Post veröffentlicht worden. Das liegt vielleicht auch daran, dass alles auf Englisch ist, was mich schon ein bisschen stört in meinem Kontext.
    Funktionen, die ich mir noch wünschen würde: mehr als ein Dokument im Post hinzufügen können, Veröffentlichungsdaten im Nachhinein ändern können, bei Änderungen nicht nur den Text, sondern auch die angehängten Dokumente oder die Adressaten ändern können.
    Ansonsten finde ich es klasse, dass man unbegrenzt verschiedenste Dateien (auch Audio und Video)in der “library” speichern kann und dass man sich gezielt an einzelne Gruppen wenden kann. Meine SchülerInnen fanden auch nett, dass sie sich ihren Avatar aussuchen konnten. Ich finde, dass es noch besser wäre, wenn sie noch mehr Infos über sich irgendwo sagen könnten (so wie auf Ning zum Beispiel).

  • Hast Du Dein Projekt konkretisiert/fertiggeführt? Ich will im nächsten Schuljahr mit Edmodo experimentieren!-)

  • Ja, ich hab Edmodo als Plattform für ‘ne Ganzschriftlektüre in Englisch Oberstufe benutzt. Allerdings ist mir – das ist völlig unabhängig von der Plattform – die Unterrichtsplanung am Schuljahresende ziemlich zerfasert, so dass wir gar nicht so recht zum Ausschöpfen des Potenzials von Edmodo gekommen sind. An Edmodo bleib ich auf jeden Fall dran, sobald Zeit da ist, werd ich die Anfangserfahrungen hier “verbloggen” 🙂
    Sorry für die späte Antwort, der Urlaub war in diesem Jahr länger & fast 100% offline…

  • Hallo,
    ich habe mit edmodo ein bisschen rumgespielt. Menüs/Navigation gibt es mittlerweile auf Deutsch, für DaF wichtig.
    Suchte nach einem Instrument, mit dem interne Präsentationen ohne technische Herausforderung erstellt und gezeigt und dikutiert werden können. Bin mir noch nicht sicher mit edmodo.
    Die Einfachheit spricht sehr dafür. Aber die Ansprüche steigen auch schnell, Erweiterungsmöglichkeiten gibt es eigentlich keine, z.B. für verschiedene Diskussionsforen. Oder ich habe was übersehen.
    Schöne Grüße aus München
    Hannes

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