{"id":917,"date":"2012-01-30T17:09:34","date_gmt":"2012-01-30T15:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=917"},"modified":"2012-01-30T17:23:57","modified_gmt":"2012-01-30T15:23:57","slug":"lernen-durch-lehren-mit-moodle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=917","title":{"rendered":"Lernen durch Lehren &#8211; mit Moodle"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?attachment_id=920\" rel=\"attachment wp-att-920\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-920\" title=\"screenshot_moodle_rollen\" src=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/screenshot_moodle_rollen-300x133.jpg\" alt=\"Moodle Rollen\u00fcberschreibung\" width=\"300\" height=\"133\" srcset=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/screenshot_moodle_rollen-300x133.jpg 300w, http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/screenshot_moodle_rollen.jpg 859w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Schon seit l\u00e4ngerer Zeit werden Unterrichtsans\u00e4tze diskutiert, die unter Etiketten wie &#8220;sch\u00fcleraktivierend&#8221;, &#8220;selbstbestimmtes \/ selbstorganisiertes \/ selbstst\u00e4ndiges Lernen&#8221;\u00a0 und \u00e4hnlichen Bezeichnungen einen h\u00f6heren Grad an Selbst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung des Lerners anstreben. Zu diesen Modellen geh\u00f6ren Modelle wie &#8220;<a title=\"Wikipedia zu LdL\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lernen_durch_Lehren\" target=\"_blank\">Lernen durch Lehren<\/a>&#8221; (LdL) und &#8211; ganz aktuell &#8211; das Konzept des &#8220;<a title=\"Blog zum inverted classroom\" href=\"http:\/\/invertedclassroom.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">flipped classroom<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p>Nun muss ich durchaus zugeben, dass mir &#8211; so interessant und einleuchtend ich die prinzipiellen Ans\u00e4tze auch finde &#8211; als vorwiegend in der gymnasialen Oberstufe (mithin oft sehr stoffzentriert) unterrichtendem Pauker allzu oft ein wenig Fantasie und Mut fehlen, solche Konzepte wirklich \u00fcberzeugend auf meinen Unterrichtsalltag zu \u00fcbertragen. Vor allem unterrichtsorganisatorisch und zeitplanerisch gesehen tun sich da doch erhebliche H\u00fcrden auf. Diese m\u00f6gen zumindest zum Teil imagin\u00e4r und \u00fcberwindbar sein &#8211; dennoch&#8230;<\/p>\n<p>Da mir Moodle auch in der Vergangenheit geholfen hat, eine allzu starke latente Lehrer-Orientierung im Unterricht zu Gunsten einer st\u00e4rkeren Sch\u00fclerorientierung, Selbstst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung der Lerner aufzubrechen, lag es nahe, entsprechende Szenarien bei passender Gelegenheit zu testen. Der eigenen Unterrichtssituation kamen da an LdL orientierte \u00dcberlegungen am ehesten nahe. Erste, sehr zaghafte Versuche in dieser Richtung gab es bereits vor einigen Jahren: In einem umfangreichen Kurs zu Macbeth haben Sch\u00fcler per Rollen\u00fcberschreibung die M\u00f6glichkeit bekommen, Forenbeitr\u00e4ge ihrer Mitsch\u00fcler zu bewerten.<\/p>\n<p>Seitdem war klar, dass sich mit den M\u00f6glichkeiten zur Rollen\u00fcberschreibung erheblich mehr bewegen lassen sollte als die Zuweisung von Bewertungsrechten.<!--more--><\/p>\n<p>Vielleicht eine kurze Erl\u00e4uterung zur Rollen\u00fcberschreibung: Moodle kennt standardm\u00e4\u00dfig unterschiedliche Rollen wie Administrator, Trainer, Teilnehmer, Gast usw. Diese Rollen haben sehr genau definierte Rechte im jeweiligen Kontext (global, Kurs, auf einzelne Aktivit\u00e4ten bezogen). Sofern in der jeweiligen Moodleinstanz administrativ vorgesehen, k\u00f6nnen diese Rollen angepasst werden, indem einzelne Rechte entfernt oder aber zus\u00e4tzlich freigeschaltet werden. Auf diese Weise kann, wie eben im Macbeth-Beispiel angerissen, der Teilnehmer f\u00fcr ein bestimmtes Forum das Recht erhalten, Beitr\u00e4ge zu bewerten, was standardm\u00e4\u00dfig dem Trainer vorbehalten w\u00e4re.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen LdL-Ansatz ergeben sich aus dieser Funktion recht interessante M\u00f6glichkeiten, Lerner zumindest partiell zu Lehrenden zu machen. Diese M\u00f6glichkeiten teste ich gerade in einem Unterrichtsprojekt im Medienkunde-Unterricht der Klassenstufe 9. Dort besch\u00e4ftigen wir uns derzeit mit einem Themenblock zu Gedodaten \/ Georeferenzierung. Die Sch\u00fcler sollen ganz unterschiedliche Anwendungsgebiete, Hintergr\u00fcnde und Problemfelder von ortsbezogenen Daten untersuchen und kennenlernen. Daf\u00fcr ist ein Moodle-Kurs angelegt worden, der zun\u00e4chst nur aus einem Forum und einem Wiki bestand. Im Forum diskutierten die Sch\u00fcler nach einigen Lehrerimpulsen die Problemfelder, in denen sie am ehesten ein Erkenntnisinteresse f\u00fcr sich sahen. Erg\u00e4nzt um einige Vorgaben des Lehrers, die m.E. zwingend n\u00f6tig zum Verst\u00e4ndnis der Einzelthemen sind (zB Koordinatensysteme, Projektionsmethoden usw.), stand damit ein Pool von ca. 12 Einzelthemen von GPS \u00fcber Augmented Reality bis hin zum Geocaching zur Bearbeitung. Dieser Pool ist in Mini-Arbeitsgruppen (in der Regel 2 Sch\u00fcler) zu bearbeiten, Leitfragen helfen bei der Strukturierung. Die anf\u00e4ngliche Recherche wird \u00fcber ein Wiki begleitet, dort legen die Sch\u00fcler ihre Rechercheergebnisse und Quellen ab. Parallel dazu haben sie in einem Kursglossar Fachtermini zu sammeln und zu definieren.<\/p>\n<p>Das letztliche Ziel der Gruppenarbeit soll es sein, Materialien und Interaktionen zum jeweiligen Unterthema so aufzubereiten, dass die Mitsch\u00fcler sich das Wesentliche zu jedem Thema selbstst\u00e4ndig aneignen k\u00f6nnen. Dazu bekommt jedes Team einen eigenen Themenblock im Moodle-Kurs zugewiesen. Genau an dieser Stelle kommt die Rollen\u00fcberschreibung zum Einsatz: Auf Kursebene bekommen die Teilnehmer eine Auswahl von Trainerrechten zugewiesen, die es ihnen erm\u00f6glicht, Arbeitsmaterialien, Aktivit\u00e4ten und Testfragen zu erstellen und verf\u00fcgbar zu machen. Das betrifft im Einzelnen folgende Rechte:<\/p>\n<ul>\n<li>Aktivit\u00e4ten verwalten<\/li>\n<li>Dateien verwalten<\/li>\n<li>Neue Fragen hinzuf\u00fcgen<\/li>\n<li>Meine eigenen Fragen bearbeiten<\/li>\n<li>Fragenkategorien verwalten<\/li>\n<li>Meine eigenen Fragen verschieben<\/li>\n<li>Meine eigenen Fragen verwenden<\/li>\n<li>Meine eigenen Fragen anzeigen<\/li>\n<li>Tests ausprobieren<\/li>\n<li>Tests verwalten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit diesem Satz an Rechten ist das Erstellen eines eigenen Themenblocks einschlie\u00dflich eines kleinen Tests m\u00f6glich, die Sch\u00fcler erhielten eine Einweisung in die Erstellung der Inhalte und strukturierende Vorgaben (Mindestanzahl an Materialien, Umfang des Mini-Tests, Ausschluss von blo\u00dfem Copy &amp; Paste etc). Da die Rechte\u00fcberschreibung auf den Kurskontext bezogen ist und die Sch\u00fcler absichtlich oder unabsichtlich auch in &#8220;fremden&#8221; Themenbl\u00f6cken editieren k\u00f6nnten, wurde bei der Einweisung gro\u00dfer Wert darauf gelegt, dass sich die Teams nur in ihren jeweiligen Themenbl\u00f6cken austoben. Etwaigem Vandalismus wurde vorgebeugt, indem noch einmal die Berichtsfunktion von Moodle demonstriert wurde.<\/p>\n<p>Das Verfahren der Rollen\u00fcberschreibung ist hier kurz erl\u00e4utert:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.screencast-o-matic.com\/embed?sc=clVv29ymf&amp;w=800&amp;v=3\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" width=\"802\" height=\"461\"><\/iframe><\/p>\n<p>Bislang zeigt sich, dass die weitaus meisten Sch\u00fcler sehr intensiv und motiviert an ihren Themen arbeiten, in der Regel identifizieren sie sich recht stark mit ihrem Bereich und legen einigen Ehrgeiz in die Aufbereitung der Informationen.<br \/>\nSobald die Themenbl\u00f6cke fertiggestellt sind, bekommen die Sch\u00fcler wieder ihre alte Teilnehmerrolle zur\u00fcck, sie werden sich dann weitgehend selbst\u00e4ndig durch die Bl\u00f6cke arbeiten. Dabei stehen ihnen die jeweiligen Autoren nat\u00fcrlich auch als &#8220;Experten&#8221; zur Verf\u00fcgung, das kann je nach Entscheidung der Autoren face-to face oder \u00fcber ein Forum realisiert werden. Zum Abschluss wird es einen Test geben, der sich zumindest zum Teil aus dem Fragenpool speist, den die Sch\u00fcler selbst erstellt haben.<\/p>\n<p>Der eigentliche Abschluss der Einheit wird jedoch das arbeitsteilige Legen und Suchen von Geocaches sein, hier wird das Gelernte praktisch anwendbar: ganz jenseits von Moodle \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Basierend auf den bisherigen Erfahrungen haben wir f\u00fcr das Jenaer SchulMoodle eine globale Rolle &#8220;LdL-Teilnehmer&#8221; angelegt, so dass Kurstrainer mit dem beschriebenen Ansatz arbeiten k\u00f6nnen, ohne selbst die Rollen\u00fcberschreibung vornehmen zu m\u00fcssen. Dazu wird es eine gr\u00fcndliche Einweisung unserer Trainer geben. Eine kurze Demonstation des Anlegens einer neuen Rolle findet sich in einem entsprechenden <a title=\"Videotutorial Rolle anlegen\" href=\"http:\/\/screencast-o-matic.com\/watch\/clVvoDymo\" target=\"_blank\">Videotutorial<\/a>.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen und alternative Ans\u00e4tze gibt es in einem entsprechenden <a title=\"Diskussion bei moodle.org\" href=\"http:\/\/moodle.org\/mod\/forum\/discuss.php?d=194558\" target=\"_blank\">Diskussionsstrang <\/a>der deutschsprachigen Foren bei moodle.org. F\u00fcr die <a title=\"Infos zur MoodleMoot\" href=\"http:\/\/moodlemoot.moodle.de\/course\/view.php?id=143\" target=\"_blank\">M\u00fcnsteraner MoodleMoot<\/a> im M\u00e4rz 2012 ist ein Vortrag zu just diesem Thema angek\u00fcndigt, auf den ich sehr gespannt bin (leider ist die Themendatenbank des Call for Papers derzeit nicht \u00f6ffentlich einsehbar).<\/p>\n<p>Was meint Ihr zu diesem Ansatz? Gibt es \u00e4hnliche \u00dcberlegungen und Erfahrungen anderswo?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon seit l\u00e4ngerer Zeit werden Unterrichtsans\u00e4tze diskutiert, die unter Etiketten wie &#8220;sch\u00fcleraktivierend&#8221;, &#8220;selbstbestimmtes \/ selbstorganisiertes \/ selbstst\u00e4ndiges Lernen&#8221; und \u00e4hnlichen Bezeichnungen einen h\u00f6heren Grad an Selbst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung des Lerners anstreben. 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