{"id":544,"date":"2010-11-09T19:14:22","date_gmt":"2010-11-09T17:14:22","guid":{"rendered":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=544"},"modified":"2010-11-09T19:14:23","modified_gmt":"2010-11-09T17:14:23","slug":"o-tempora-o-mores-ein-lamento","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=544","title":{"rendered":"O Tempora, O Mores &#8211; Ein Lamento"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-545\" href=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?attachment_id=545\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-545\" style=\"margin: 5px;\" title=\"Netikett\" src=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Netikett.gif\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"125\" \/><\/a>Es ist soweit &#8211; es muss mal von der Seele&#8230;<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger und je intensiver wir mit dem Support von internetbasierten Plattformen und dergleichen besch\u00e4ftigt sind, desto h\u00e4ufiger stellen sich Erfahrungen ein, die zunehmend unangenehm werden und die Freude an dieser Arbeit erheblich verleiden k\u00f6nnen. Nein, es geht nicht um offensichtlich naive Anfragen &#8211; auch nicht um die hinter manchem Hilferuf stehenden Bequemlichkeit. Es geht um etwas, das bei unserer Zielgruppe &#8211; Lehrer oft reiferen Alters, immerhin mit akademischem Hintergrund &#8211; inzwischen in der elektronischen Kommunikation immer h\u00e4ufiger und offensichtlicher auftritt: der Verzicht auf auch nur grundlegende H\u00f6flichkeitsformen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Typische Situationen (die ausschlie\u00dflich m\u00e4nnliche Form ist im Folgenden absichtlich gew\u00e4hlt &#8211; das entsprechende Verhalten ist beim weiblichen Geschlecht zwar nicht g\u00e4nzlich unbekannt, aber doch erheblich seltener):<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Nutzer einer Plattform hat ein Problem, findet einen Fehler o.\u00e4. und schreibt den Admins eine Nachricht. Kein Betreff, keine Anrede, keine sprachlich klare Darstellung des Anliegens, Satzfragmente, keine Gru\u00dfformel am Schluss. Nix. Warum auch? Eine Kurz&#8221;kommunikation&#8221; im Imperativ tut es doch auch.<\/li>\n<li>Ein Nutzer hat ein Anliegen, das auf der entsprechenden Plattform gleich auf der Startseite gut sichtbar erkl\u00e4rt und dokumentiert ist. FAQ oder \u00e4hnliche Angebote, in denen in der Regel viel Arbeit steckt, zur Kenntnis nehmen? Aber nicht doch&#8230;<\/li>\n<li>Kollegen bitten um Support beim Aufbau bzw. Betrieb ihrer eigenen Angebote, um Fehlersuche und \u00e4hnliche Hilfestellungen. Lange Mails werden geschrieben, Zeit und Energie werden investiert. Eine R\u00fcckmeldung \u00fcber Erfolg bzw. Mi\u00dferfolg der Bem\u00fchungen, ein Dankesch\u00f6n gar? Fehlanzeige.<\/li>\n<li>Im Rahmen gr\u00f6\u00dferer Projekte werden Kollegen aufgefordert, sich auf den Plattformen einzuarbeiten. Nicht immer geschieht dies ganz freiwillig. Aber deswegen die Auseinandersetzung mit den eigentlich Verantwortlichen suchen? Es ist doch viel einfacher, den Frust bei den Kollegen des Supports abzuladen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen. Es ist eine gewisse Versuchung, Ausz\u00fcge aus entsprechenden Mailwechseln hier zu zitieren &#8211; aber nicht jeder Versuchung muss man nachgeben.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich daran sind viele Dinge. Neben dem unangenehmen Gef\u00fchl, nicht mit einem \u00fcblichen Mindestma\u00df an Respekt behandelt zu werden, steht das Erstaunen dar\u00fcber, dass dieses Verhalten in unserer Profession um sich greift. Kaum ein Kollege w\u00fcrde seinen Sch\u00fclern dieses Verhalten durchgehen lassen, ein Elternschreiben im o.g. Stil stie\u00dfe auch nicht gerade auf Gegenliebe. Sicher spricht aus dem einen oder anderen Vorkommnis dieser Art auch die in unserem Beruf nicht immer sehr ausgepr\u00e4gte F\u00e4higkeit, mit anderen gemeinsam und gleichberechtigt an der L\u00f6sung von Problemen zu arbeiten.<\/p>\n<p>Erstaunlich auch, dass in einem auf Kommunikation ausgerichteten Beruf grundlegende Kommunikationsregeln schnell fahren gelassen werden, sobald man sich des vermeintlich anonymen Internets bedient. Bittere Ironie, dass in den vergangenen Jahren Lehrpl\u00e4ne und Handreichungen nur so strotzen mit Begriffen wie Selbst- und Sozialkompetenz&#8230;<\/p>\n<p>Um nicht falsch verstanden zu werden: Die oben beschriebenen Verhaltensweisen sind zum Gl\u00fcck (noch?) nicht die Normalit\u00e4t &#8211; die weitaus meisten Nachrichten und Anfragen erreichen uns in sehr h\u00f6flicher Form und mit einer kollegial-freundlichen Grundhaltung, auch das Danke-Sagen ist noch nicht aus der Mode. Die meisten Kontakte sind auch da erfreulich, wo es in der Sache Dissens gibt.<\/p>\n<p>Dennoch scheint die r\u00fcdere Variante der Kommunikation um sich zu greifen.<\/p>\n<p>Weitgehende Ratlosigkeit herrscht \u00fcber die angemessene Reaktion auf dies Verhalten. Bislang hab ich mich bem\u00fcht, ausgesucht, ja \u00fcbertrieben h\u00f6flich zu antworten &#8211; aber damit baut man wohl entweder ein arrogantes Image auf &#8211; oder das Gegen\u00fcber versteht die darin liegende Ironie erst gar nicht. Und ein Blogbeitrag wie dieser bewirkt bestenfalls eine sehr kurz anhaltende Erleichterung \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass anderswo &#8211; besonders im angels\u00e4chsischen Umfeld &#8211; ein sehr viel h\u00f6flicherer und respektvollerer Umgang auch bei elektronisch vermittelter Kommunikation usus ist. Ermutigend, dass es auch bei uns seit vielen Jahren sehr positive Beispiele gibt &#8211; meine Lieblingsmailliste <a title=\"enpaed\" href=\"http:\/\/groups.yahoo.com\/group\/enpaed\" target=\"_blank\">enpaed <\/a>etwa, oder die <a title=\"Deutsche Moodle-Foren\" href=\"http:\/\/moodle.org\/course\/view.php?id=18\" target=\"_blank\">deutsche Supportforen bei moodle.org<\/a>.<\/p>\n<p>Welche Erfahrungen habt Ihr auf diesem Gebiet gemacht, wie geht Ihr damit um?<\/p>\n<p>Ein paar Internetressourcen zum Thema:<\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"Forenknigge\" href=\"http:\/\/www.zierfischforum.at\/knigge.php\" target=\"_blank\">Ein ausf\u00fchrlicher Forenknigge<\/a> aus \u00d6sterreich &#8211; schon fast zu viel des Guten \ud83d\ude42<\/li>\n<li><a title=\"Supporter\" href=\"http:\/\/www.netz-online.com\/2010\/08\/17\/die-hoeflichkeit-in-e-mails\/\" target=\"_blank\">Erfahrungsbericht eines Supporters<\/a><\/li>\n<li>Ein satirisches <a title=\"Webknigge-Blog\" href=\"http:\/\/webknigge.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Webknigge-Blog<\/a><\/li>\n<li>eine <a title=\"H\u00f6lle\" href=\"http:\/\/www.ausderhoelle.de\/\" target=\"_blank\">aufschlussreiche Sammlung<\/a> aus der Kollegen- und Kundenh\u00f6lle<\/li>\n<li>und &#8211; zu guter Letzt &#8211; eine<a title=\"Theorie :-)\" href=\"http:\/\/www.jessicabreidbach.com\/diskurs-und-medienanalyse\/hoeflichkeit-im-internet.html\" target=\"_blank\"> kommunikationstheoretische Abhandlung<\/a> \ud83d\ude42<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und damit dann Schluss mit dem Lamento. Soll nicht wieder vorkommen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist soweit &#8211; es muss mal von der Seele&#8230;<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger und je intensiver wir mit dem Support von internetbasierten Plattformen und dergleichen besch\u00e4ftigt sind, desto h\u00e4ufiger stellen sich Erfahrungen ein, die zunehmend unangenehm werden und die Freude an dieser Arbeit erheblich verleiden k\u00f6nnen. 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