{"id":431,"date":"2010-04-22T18:59:45","date_gmt":"2010-04-22T16:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=431"},"modified":"2010-04-22T19:11:42","modified_gmt":"2010-04-22T17:11:42","slug":"facebook-gruppen-fur-schulische-projekte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=431","title":{"rendered":"Facebook-Gruppen f\u00fcr schulische Projekte?"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 311px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mrtopf\/3086953409\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 5px;\" title=\"Do we connect?\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3190\/3086953409_6dd7b71225.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"163\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Mr. Topf via Flickr<\/p><\/div>\n<p>Facebook kommt wegen seiner oft recht zweifelhaften Auffassungen von Datenschutz immer wieder ins Gerede &#8211; erst k\u00fcrzlich provozierte eine <a title=\"\u00c4nderung AGB Facebook\" href=\"http:\/\/www.surfer-haben-rechte.de\/cps\/rde\/xchg\/ls_digitalerechte\/hs.xsl\/75_892.htm?back=index.htm&amp;backtitle=Startseite\" target=\"_blank\">\u00c4nderung der AGB<\/a>, die eine Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte ohne Einwilligung der Betroffenen erm\u00f6glichen soll, heftigen Protest und zahlreiche Austritte. Selbst Verbraucherschutzministerin Aigner sah sich zum <a title=\"Aigner gegen Facebook\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2010\/ilse-aigner-gegen-facebook\/\" target=\"_blank\">Eingreifen <\/a>gen\u00f6tigt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Im Lichte dieser Tatsachen liegt es alles andere als nahe, Facebook im schulischen Kontext \u00fcberhaupt als Plattform zu benutzen &#8211; und das v\u00f6llig zu Recht.<\/p>\n<p>Andererseits sind Plattformen wie Facebook ganz unzweifelhaft die digitale Heimat einer Mehrzahl unserer Sch\u00fcler &#8211; warum also nicht auch einmal mit ihnen gemeinsam auf dieser ihrer Spielwiese agieren und die sozialen Tools\u00a0 der Plattform nutzen? Die erste Anregung f\u00fcr einen solchen Ansatz fand ich vor l\u00e4ngerer Zeit auf dem Blog von <a title=\"Jazzper\" href=\"http:\/\/jazzper.se\/\" target=\"_blank\">Jazzper <\/a>&#8211; leider ist der betreffende Artikel nach dem Redesign seiner Websites nicht mehr greifbar. Er implementierte LMS-Funktionen in das Arbeiten mit Facebook und nutzte dazu die sog. Fanpages &#8211; ein wirklich origineller Ansatz.<\/p>\n<p>Der eigentliche Impuls kam dann aber \u00fcber Facebook selbst &#8211; und zwar ziemlich \u00fcberraschend. Lynn K. &#8211; vor Jahren einmal Kurzzeit-TA an unserer Schule, jetzt Dozentin an der <a title=\"Kutztown Uni\" href=\"http:\/\/www.kutztown.edu\/\" target=\"_blank\">Kutztown University<\/a> (Pennsylvania) fragte mich \u00fcber Facebook an, ob nicht ein gemeinsames Projekt m\u00f6glich sei (die Idee und der Impuls kamen also von ihr). In einer speziell einzurichtenden Facebookgruppe sollten eine Reihe von Themen zwischen ihren Studenten und meinen Sch\u00fclern besprochen werden, diese Themen ergaben sich zun\u00e4chst aus den landeskundlichen Diskussionen in ihren (Deutsch-) Lehrveranstaltungen. Ich fand die Idee recht spannend, wollte aber &#8211; gerade wegen der Datenschutzprobleme bei Facebook &#8211; die Entscheidung vollst\u00e4ndig bei den Sch\u00fclern lassen. Das war insofern kein prinzipielles Problem, als es sich um einen Leistungskurs Jahrgangsstufe 12 handelte, die Sch\u00fcler mithin vollj\u00e4hrig waren.<!--more--><\/p>\n<p>Wir besprachen das Vorhaben; die meisten Sch\u00fcler waren ohnehin schon bei Facebook, einige aber doch nicht. In den Vorgespr\u00e4chen wurden die Datenschutzbedenken thematisiert, die Sch\u00fcler auf einen zur\u00fcckhaltenden Umgang mit pers\u00f6nlichen Daten hingewiesen,<a title=\"Anleitung bei Spiegel Online\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,667331,00.html\" target=\"_blank\"> entsprechende Anleitungen<\/a> wurden ihnen zug\u00e4nglich gemacht. Alle Sch\u00fcler wollten am Projekt teilnehmen, die noch nicht bei Facebook registrierten traten unter Hilfe der Erfahreneren der Plattform bei. Lynn und ich verabredeten die Gr\u00fcndung einer geschlossenen Facebook-Gruppe, wir beide hatten Adminstratorrechte, so war eine Zugangskontrolle (die wir f\u00fcr das Projekt als sinnvoll erachteten) gew\u00e4hrleistet. Da beide Gruppen vom Projekt profitieren sollten, wurde zumindest f\u00fcr den Anfang abgesprochen, in den Beitr\u00e4gen die jeweilige Muttersprache zu nutzen. Sicher aus der Sicht des jeweiligen Fremdsprachenlehrers nicht unbedingt optimal, aber doch ein guter Kompromiss, da die Teilnehmer ja authentische Texte von peers in der jeweiligen Fremdsprache zu verarbeiten hatten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die ersten Beitr\u00e4ge wurde meinen Sch\u00fclern Unterrichtszeit zur Verf\u00fcgung gestellt, sp\u00e4ter haben wir dann nur noch bei Bedarf und auf Wunsch der Sch\u00fcler einzelne Diskussionsthemen im Unterricht ausdiskutiert, das Gros der Diskussion fand in der Facebook-Gruppe statt. Die Mischung\u00a0 fand ich durchaus angemessen&#8230;\u00a0 Ich glaube kaum, dass eine &#8220;Verschulung&#8221; einer informellen Plattform wirklich funktionieren w\u00fcrde.<br \/>\nDas erste von den Amerikanern gew\u00fcnschte Thema war &#8211; gekn\u00fcpft an den 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung &#8211; die Wahrnehmung von Ost-West-Identit\u00e4ten durch die Generation meiner Sch\u00fcler, deren Wissen \u00fcber die Leipziger Demos und eine evtl. jetzt noch vorhandene &#8220;Mauer in den K\u00f6pfen&#8221;. Das war f\u00fcr meine Sch\u00fcler zun\u00e4chst eher ein Un-Thema, sie sahen nicht allzu viel pers\u00f6nlichen Bezug und h\u00e4tten wohl lieber Anderes diskutiert. Ihre Beitr\u00e4ge waren dann aber doch sehr interessant zu lesen, mancher sprach nochmal mit den Eltern und sah pl\u00f6tzlich ganz neue Facetten&#8230;<\/p>\n<p>Damit war das Eis gebrochen &#8211; und es entwickelte sich ein Strau\u00df an sehr unterschiedlichen Themen: Komasaufen und Alkoholge- und mi\u00dfbrauch, die Wahrnehmung des Holocaust, Patriotismus und Nationalstolz, der Afghanistankonflikt. Genug Gespr\u00e4chsstoff also, mit einem ziemlich breiten Meinungsspektrum auf jeder der beiden Seiten.<\/p>\n<p>Was l\u00e4sst sich in der R\u00fcckschau sagen? Das Projekt war durchaus spannend und ambitioniert. Anlaufprobleme waren in der relativ geringen Verbindlichkeit, dem recht abstrakten ersten Thema und Terminproblemen begr\u00fcndet. Auch am Ende kamen auf unserer Seite nicht mehr sooo viele Beitr\u00e4ge zustande &#8211; 2 Wochen Osterferien und die anschlie\u00dfende Pr\u00fcfungsvorbereitung forderten ihren Tribut. Die Beteiligung &#8211; ohnehin freiwillig und nicht direkt an den Unterricht gebunden &#8211; war sehr unterschiedlich. Einige meiner Sch\u00fcler &#8211; durchaus auch welche, denen ich ein solches Mitteilungsbed\u00fcrfnis gar nicht unbedingt zugetraut hatte &#8211; schrieben oft und ausf\u00fchrlich, sehr eigenst\u00e4ndig und engagiert, andere meldeten sich eher sporadisch. Unter den gegebenen Bedingungen ist das auch ganz in Ordnung so, kann aber nat\u00fcrlich auf der Gegenseite auch zu entt\u00e4uschten Erwartungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Frage bleibt, ob es Facebook sein muss. Ein vergleichbares &#8211; auch eher informelles &#8211; Projekt l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich auch auf anderen Oberfl\u00e4chen durchf\u00fchren: selbst gehostete Foren, ein Blog, zugangskontrollierte Umgebungen wie Moodle oder Mahara, Community-Oberfl\u00e4chen wie Ning oder mixxt usw.\u00a0 Der eigentliche (und m\u00f6glicherweise einzige) Vorteil der Facebook-Gruppe: Die Sch\u00fcler bleiben auf &#8220;ihrem&#8221; Spielfeld, Facebook ist eben gerade nicht eine geschlossene schulische Plattform, es k\u00f6nnten sich durchaus auch Austauschbeziehungen abseits der geschlossenen Gruppe entwickeln. Mit nicht vollj\u00e4hrigen Sch\u00fclern t\u00e4te man sich in Facebook sicher schwerer. Andererseits w\u00e4re auch zu \u00fcberlegen, ob die Gruppe denn wirklich geschlossen sein muss. F\u00fcr ein vorab verabredetes bilaterales Projekt ist das sicher sinnvoll &#8211; in einem anderen Setting w\u00fcrde man vielleicht eine offene Gruppe w\u00e4hlen. Entscheidend ist nat\u00fcrlich die Themenwahl &#8211; was f\u00fcr eine Seite spannend und aktuell ist, mag f\u00fcr die andere Seite eher irrelevant sein. Spannend ist der Umgang mit Klischees &#8211; offensichtlich hatten die amerikanischen Studenten zum Thema Komasaufen schockierende Zeitungsartikel gelesen, die Realit\u00e4t unserer Sch\u00fcler sah dann nicht gar so schlimm aus \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Alles in allem ein spannendes Unterfangen, der Dank gilt zu allererst Lynn und ihren Studenten. Ein Nachfolgeprojekt w\u00e4r sch\u00f6n &#8211; und vielleicht krieg ich einige meiner Sch\u00e4fchen dazu, hier in einem Kommentar ihre Wahrnehmung der Dinge zu \u00e4u\u00dfern&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"wp-caption-text\">Foto: Mr. Topf via Flickr<\/p>\n<p>Facebook kommt wegen seiner oft recht zweifelhaften Auffassungen von Datenschutz immer wieder ins Gerede &#8211; erst k\u00fcrzlich provozierte eine \u00c4nderung der AGB, die eine Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte ohne Einwilligung der Betroffenen erm\u00f6glichen soll, heftigen Protest und zahlreiche Austritte. 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