{"id":351,"date":"2010-01-21T22:10:02","date_gmt":"2010-01-21T20:10:02","guid":{"rendered":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=351"},"modified":"2010-01-21T22:22:11","modified_gmt":"2010-01-21T20:22:11","slug":"online-worterbucher-und-google-translate-eine-gratwanderung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=351","title":{"rendered":"Online-W\u00f6rterb\u00fccher und Google Translate &#8211; eine Gratwanderung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_352\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-352\" href=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?attachment_id=352\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-352\" class=\"size-medium wp-image-352\" title=\"L1060072b\" src=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/L1060072b-300x226.jpg\" alt=\"OMG\" width=\"300\" height=\"226\" srcset=\"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/L1060072b-300x226.jpg 300w, http:\/\/eventualitaetswabe.de\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/L1060072b.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-352\" class=\"wp-caption-text\">pixelio.de \u00a9 Gerhardt <\/p><\/div>\n<p>Da war es mal wieder so weit: Im Englischunterricht hatten meine Sch\u00fcler innerhalb der Einheit &#8220;Science and Technology&#8221; eine Mediations\u00fcbung zu absolvieren. Es ging um eine zusammenfassende und sinngem\u00e4\u00dfe \u00dcbertragung eines deutschen Textes ins Englische. Zur Auswahl standen zwei Beitr\u00e4ge von heute.de &#8211;<a title=\"heute.de - m\u00e4nnliche Verh\u00fctung\" href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/9\/0,3672,7957417,00.html\" target=\"_blank\"> einer zur hormonellen Verh\u00fctung beim Mann<\/a> und <a title=\"heute.de zu Stammzellentherapie\" href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/3\/0,3672,7956803,00.html\" target=\"_blank\">einer zu Stammzelltherapien bei Knochenbr\u00fcchen<\/a>.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler arbeiteten am Computer und konnten alle Netzhilfsmittel benutzen, mit W\u00f6rterbucharbeit waren sie vertraut. Es kam (wie so oft), wie es kommen musste: besonders schw\u00e4chere Sch\u00fcler verlie\u00dfen sich fast blind auf zweisprachige W\u00f6rterb\u00fccher wie <a title=\"Leo\" href=\"http:\/\/dict.leo.org\" target=\"_blank\">leo <\/a>oder <a href=\"http:\/\/dict.cc\">dict.cc<\/a> und Online-\u00dcbersetzer wie <a title=\"Google Translate\" href=\"http:\/\/translate.google.de\" target=\"_blank\">Google Translate<\/a>. Ergebnis: Stilistisch und lexikalisch weitgehend inkoh\u00e4rente Texte, falsche Kollokationen etc &#8211; das volle Programm. Zum Haareraufen! Was soll man da tun &#8211; ich glaubte doch, die Vor- und Nachteile diverser W\u00f6rterbuchangebote hinl\u00e4nglich thematisiert zu haben?<\/p>\n<p>Bei aller Verzweiflung kommt nat\u00fcrlich zun\u00e4chst eimal Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Strategiewahl der Sch\u00fcler auf &#8211; wenn man wiederholt die Erfahrung eigenen sprachlichen Ungen\u00fcgens gemacht hat, ist die Verlockung gro\u00df, Angebote zu nutzen, deren Gebrauch ihnen au\u00dferhalb der Schule ohnehin selbstverst\u00e4ndlich ist. Von daher w\u00e4re ein Verbot der Nutzung dieser Dienste wenig sinnvoll. Es kann &#8211; zumal in der Oberstufe &#8211; eigentlich nur darum gehen, M\u00f6glichkeiten und Grenzen dieser Dienste aufzuzeigen sowie Kompetenzen im Umgang mit den Werkzeugen zu entwickeln. Schon klar &#8211; blo\u00df, wie genau macht man das?<\/p>\n<p>Die endg\u00fcltige L\u00f6sung hab ich nat\u00fcrlich nicht gefunden &#8211; aber vielleicht gangbare Wege. Die m\u00f6cht ich hier kurz vorstellen &#8211; und es w\u00e4re mir sehr lieb, von anderen Erfahrungen im Unterricht zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><!--more-->Aufschlussreich kann die Auseinandersetzung mit \u00dcbersetzungsdiensten wie Google Translate sein. Aufschlussreich auch deshalb, weil man &#8211; selbst wenn man von der prinzipiellen Unm\u00f6glichkeit ad\u00e4quater maschineller \u00dcbersetzung \u00fcberzeugt ist &#8211; dennoch zugeben muss, dass der Dienst in Teilbereichen erstaunlich leistungsf\u00e4hig ist. Nehmen wir ein Beispiel aus dem oben erw\u00e4hnten Stammzellen-Text: Aus <em>Forscher der Hebr\u00e4ischen Uni Jerusalem haben ein revolution\u00e4res Verfahren erfolgreich getestet: Mit k\u00f6rpereigenen Stammzellen wollen sie sogar Bandscheiben und Herzmuskeln behandeln. <\/em>wird <em>Researchers at the Hebrew University of Jerusalem have successfully tested a revolutionary technique: With the body&#8217;s own stem cells, they even want to treat spine and heart muscles.<\/em> Mit Verlaub &#8211; das ist (bis auf die <em>Bandscheiben &#8211; spine<\/em>-Geschichte) gar nicht \u00fcbel. Ich war schon beeindruckt, muss ich sagen&#8230;<\/p>\n<p>Das grundlegende Problem, das selbst bei solch guten Ergebnissen Sch\u00fclern nahegebracht werden sollte, ist folgendes: Um einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, von welcher Qualit\u00e4t eine Maschinen\u00fcbersetzung ist und wo fast zwangsl\u00e4ufig Fehler auftauchen, brauche ich eine ziemlich hohe Kompetenz in der Zielsprache. Daraus ergibt sich &#8211; genau wie bei der Arbeit mit (zweisprachigen, nutzergenerierten) Online-W\u00f6rterb\u00fcchern ein paradoxes Problem: Es greifen vor allem Sch\u00fcler zu den Hilfsmitteln, denen es gerade an der f\u00fcr eine kritische Einsch\u00e4tzung der Ergebnisse n\u00f6tigen Kompetenz noch mangelt, zu den Hilfsmitteln &#8211; aus der Angst vor eigenen Fehlleistungen produziert man Verschlimmbesserungen, die auf dem entsprechenden Sprachniveau nicht ohne weiteres aufl\u00f6sbar sind. Es muss also verdeutlicht werden, dass maschinelle \u00dcbersetzung durchaus erstaunlich hilfreich sein kann, wenn man sich selbst einen \u00dcberblick \u00fcber den Gehalt fremdsprachiger Texte verschaffen will, dass sie aber an nat\u00fcrliche Grenzen st\u00f6\u00dft, wenn man sie zur Produktion fremdsprachiger Texte <span style=\"text-decoration: line-through;\">mi\u00df<\/span>gebraucht.<\/p>\n<p>Recht gut &#8211; und nicht humorfrei &#8211; l\u00e4sst sich das auf zwei Wegen demonstrieren:\u00a0 Nett ist das maschinelle \u00dcbersetzen von typischen Kollokationen und idiomatischen Wendungen. Vorbild k\u00f6nnen da die sattsam bekannten Filser-Briefe nach dem Prinzip<a title=\"Amazon\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/besten-englischen-Filserbriefe-Your-Gisela\/dp\/3784427774\" target=\"_blank\"> &#8220;Your true Gisela&#8221;<\/a> sein, oder die ganz \u00e4hnlich gelagerten Stilbl\u00fcten aus den inzwischen leider vergriffenen <a title=\"amazon\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/English-Runaways-Englisch-f%C3%BCr-Fortgeschrittene\/dp\/3442087880\/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1264102630&amp;sr=1-4\" target=\"_blank\">&#8220;English for Runaways&#8221;<\/a>-B\u00e4nden. Ein Versuch:<em> &#8220;Ich denk, mein Schwein pfeift&#8221;<\/em> wird nat\u00fcrlich wortw\u00f6rtlich \u00fcbersetzt zu<em> &#8220;I think, my pig whistles.&#8221;<\/em>. <em>&#8220;Du bist schwer auf Draht.&#8221;<\/em> wird zu<em> &#8220;You are pre-cabled.&#8221;<\/em> Man kann Sch\u00fcler jetzt nach Herzenslust \u00e4hnlich umgangssprachliche Idiome \u00fcbersetzen lassen und wird schnell nachweisen k\u00f6nnen, dass idiomatische Wendungen meist nicht korrekt \u00fcbersetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt &#8211; der bietet dann den Ankn\u00fcpfungspunkt zur Auseinandersetzung mit zweisprachigen Online-W\u00f6rterb\u00fcchern &#8211; kann man sich dem Problem von Konnotationen und Kollokationen uwenden. Ein gutes Beispiel w\u00e4re der Gebrauch von &#8220;lassen&#8221;.<em> &#8220;Er l\u00e4sst sein Auto waschen.&#8221; <\/em>wird zu<em> &#8220;He can wash his car.&#8221;<\/em>. Die eigentlich angemessene englische Variante<em> &#8221; He has his car washed.&#8221;<\/em> wird zu <em>&#8220;Er hat sein Auto gewaschen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Um die Sache abzurunden &#8211; und um erfahrbar zu machen, dass \u00dcbersetzung nie eine 1:1-Angelegenheit sein kann, mit der Computeralgorhitmen gut umgehen k\u00f6nnen, bietet sich ein Versuch an, denselben Satz mehrfach hin\u00a0 und her zu \u00fcbersetzen.\u00a0 Ein Satz aus dem heute-Artikel wie<em> &#8220;Ich hinke zwar noch ein bisschen, aber drei Monate nach meinem Unfall kann ich wieder gehen, Dinge tragen, und meine Kinder aufheben.&#8221; <\/em>wird zu<em> &#8220;Although I still pick up a bit lame, but three months after my accident, I can walk again, take things, and my children&#8221;.<\/em> Dieser Satz r\u00fcck\u00fcbersetzt hei\u00dft dann <em>&#8220;Obwohl ich immer noch pick up a bit lahm, aber drei Monate nach meinem Unfall, kann ich wieder gehen, nehmen die Dinge, und meine Kinder.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Auf diese Weise sollten sich &#8211; fast spielerisch &#8211; die Potenzen und Grenzen maschineller \u00dcbersetzung erfahrbar machen lassen.<\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt kann man die so fassbar gemachten Probleme auf zweisprachige Online-W\u00f6rterb\u00fccher herunterbrechen. Dabei bin ich im Wesentlichen den Vorschl\u00e4gen von Jochen L\u00fcders in einem seiner sehr hilfreichen <a title=\"Artikel bei jochenenglish.de\" href=\"http:\/\/www.jochenenglish.de\/?p=1411\" target=\"_blank\">Blogartikel <\/a>gefolgt &#8211; das Verb &#8220;lassen&#8221; in unterschiedlichen Kolokationen und Bedeutungsvarianten macht sich dabei sehr gut &#8211; und der bei Jochen beschriebene double check mit dem LDOCE funktioniert hervorragend. Nicht vers\u00e4umen sollte man dabei &#8211; auch darauf geht Jochen ein &#8211; auf die Vorz\u00fcge der nutzergenerierten Inhalte von W\u00f6rterb\u00fcchern wie leo hinzuweisen &#8211; besonders die Forenanfragen und -diskussionen zu einzelnen Eintr\u00e4gen k\u00f6nnen sich als wertvolle Informationsquellen erweisen.<\/p>\n<p>Was hat die kleine Stoffeinheit gebracht? Hoffnung und Ern\u00fcchterung. Zwei Stunden sp\u00e4ter sehe ich die Sch\u00fcler sowohl beim sorgf\u00e4ltigen Gegen-Check mit LDOCE als auch beim unbeschwerten Gebrauch des Google-\u00dcbersetzungsdienstes. Das kann ich jetzt &#8211; je nach Gustus &#8211; interpretieren als p\u00e4dagogischen Erfolg oder als weiteres Indiz f\u00fcr die gelegentliche Vergeblichkeit meiner Arbeit&#8230;<\/p>\n<p>Welche Erfahrungen habt Ihr mit den beschriebenen Problemen gemacht, welche Unterrichtsideen gibt es?<\/p>\n<p>Lesenswert in diesem Zusammenhang ein kleinerArtikel in einem \u00dcbersetzerblog: <a title=\"\u00dcbersetzerblog\" href=\"http:\/\/blog.ueber-setzen.com\/?p=289\" target=\"_blank\">Fr\u00fcher Filserbriefe, heute maschinelle \u00dcbersetzung<\/a>. Enjoy \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p id=\"caption-attachment-352\" class=\"wp-caption-text\">pixelio.de \u00a9 Gerhardt <\/p>\n<p>Da war es mal wieder so weit: Im Englischunterricht hatten meine Sch\u00fcler innerhalb der Einheit &#8220;Science and Technology&#8221; eine Mediations\u00fcbung zu absolvieren. Es ging um eine zusammenfassende und sinngem\u00e4\u00dfe \u00dcbertragung eines deutschen Textes ins Englische. Zur Auswahl standen zwei Beitr\u00e4ge von heute.de &#8211; einer zur hormonellen Verh\u00fctung beim Mann [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,17,18],"tags":[55,56,40,15],"class_list":["post-351","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-englisch","category-netzwelten","category-tools","tag-englisch","tag-tools","tag-vocab","tag-writing","odd"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=351"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/351\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":357,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/351\/revisions\/357"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}