{"id":285,"date":"2009-11-22T12:17:56","date_gmt":"2009-11-22T10:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=285"},"modified":"2009-11-22T12:24:23","modified_gmt":"2009-11-22T10:24:23","slug":"gemeinschaftsschule-in-thuringen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/eventualitaetswabe.de\/?p=285","title":{"rendered":"Gemeinschaftsschule in Th\u00fcringen?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.gsv-berlin.de\/images\/fund_karrikatur.gif\" target=\"_blank\" rel=\"lightbox-285\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin: 5px;\" title=\":-)\" src=\"http:\/\/www.gsv-berlin.de\/images\/fund_karrikatur.gif\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"240\" \/><\/a>Man mag dazu stehen, wie immer man will: mein Bundesland wird nun schwarz-rot regiert. Zu den Gebieten, um das sich alle Parteien heftigst gestritten haben, geh\u00f6rt die Bildungs- und Schulpolitik (unserem unseligen Bildungsf\u00f6deralismus seis gedankt&#8230;).<\/p>\n<p>Wo die Althaus-CDU im Wesentlichen alles in bester Butter sah, gibt es jetzt pl\u00f6tzlich Bewegung: Das Projekt Gemeinschaftsschule kommt auf den Weg. Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Projekts wogt auch und gerade durch die Lehrerzimmer, leider ist diese Diskussion allzu oft nicht frei von alten Ideologien und Vorbehalten. Ganz verwundert h\u00f6r ich dann Kollegen wettern&#8230;<\/p>\n<p>Worum geht es bei der <a title=\"Welt-Debatte\" href=\"http:\/\/debatte.welt.de\/kommentare\/165201\/wie+thueringen+die+bildung+reformieren+will\" target=\"_blank\">Gemeinschaftsschule<\/a>? Vor Ort sollen Schulen, Eltern, Schultr\u00e4ger und Schulamt entscheiden k\u00f6nnen, ob sie freiwillig ein Modell des l\u00e4ngeren gemeinsamen Lernens bis Klasse 8 etablieren. Das k\u00f6nnte dann so aussehen, dass sich eine Grundschule, eine Regelschule und ein Gymnasium &#8211; zum Beispiel auf Betreiben der Eltern und nach gr\u00fcndlichen Diskussionen der Lehrerschaft &#8211; zusammentun und dieses Modell umsetzen.<\/p>\n<p>Immer wieder wird die Freiwilligkeit betont &#8211; es soll um eine zus\u00e4tzliche, gleichberechtigte Schulform gehen, die sich vor Ort etablieren kann.<\/p>\n<p>Nun gibt es ganz sicher Grund zu Skepsis und Zweifel &#8211; entsprechende organisatorische Abl\u00e4ufe scheinen im Moment schwer vorstellbar, ein n\u00fcchterner Blick auf die Experimentierfreudigkeit und Offenheit des Schulamts l\u00e4sst erhebliche Zweifel am Umfang der zu erwartenden Unterst\u00fctzung aufkommen&#8230; Die Reihe lie\u00dfe sich fortsetzen.<\/p>\n<p>V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich erscheint mir aber das klar ideologisch gef\u00e4rbte Gewetter gegen dieses Projekt, das l\u00e4ngst vergessen geglaubtes Kampfvokabular wieder ausgr\u00e4bt &#8211; da ist die Rede von Wiederaufleben der gescheiterten Gesamtschule, von &#8220;Einheitsschule&#8221;, vom &#8220;Einheitslehrer&#8221; usw. Anw\u00fcrfe dieser Art kommen &#8211; wen wunderts &#8211; zuallererst aus den Reihen der Interessenvertretung von Gymnasiallehrern. Man lese die entsprechenden <a title=\"Pressemitteilung PhV\" href=\"http:\/\/www.blogspan.net\/presse\/erfolgreichste-schulform-deutschlands-nicht-zerstren-philologenverband-warnt-nach-den-landtagswahlen-vor-plnen-zur-zerschlagung-der-gymnasien-in-thringen-und-im-saarland\/mitteilung\/101192\/\" target=\"_blank\">Einlassungen des Philologenverbandes <\/a>&#8230; Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man zun\u00e4chst diskutieren, ob das Gymnasium tats\u00e4chlich die erfolgreichste Schulform ist (es g\u00e4be auch gute Argumente, es als die Schulform mit dem gr\u00f6\u00dften Beharrungsverm\u00f6gen zu betrachten &#8211; als Lehrerfortbildner darf ich mir da eine Meinung erlauben) und worauf dieser Erfolg beruht (nicht unwesentlich auf dem &#8220;Abdelegieren&#8221; tats\u00e4chlich oder vermeintlich ungeeigneter Sch\u00fcler). Das ist aber nicht eigentlich der Punkt: Was genau soll so schlecht daran sein, die Entscheidung zum \u00dcbertritt auf eine h\u00f6here Schulform auf einen Zeitpunkt zu verschieben, zu dem man eher von einer auch selbstbestimmten Entscheidung (also nach Klasse acht ) sprechen kann als von einer alleinigen Entscheidung der Eltern (nach Klasse vier)?<\/p>\n<p>Ich habe das Privileg, neben dem Unterricht in meiner <a href=\"http:\/\/www.angergymnasium.jena.de\">Stammschule <\/a>(Gymnasium, dort vorwiegend Oberstufe &#8211; und ich arbeite dort gern und nicht ohne Engagement) auch solchen in einer Schule leisten zu k\u00f6nnen, die recht nahe an das Modell der Gemeinschaftsschule kommt: der <a title=\"LBS\" href=\"http:\/\/www.lobdeburgschule.jena.de\" target=\"_blank\">Lobdeburgschule<\/a> Jena. Dort gibt es einen eigenen Grundschulzweig, eine Regelschule &#8211; und geeignete und interessierte Sch\u00fcler k\u00f6nnen nach Klasse 10 auf die dort 3-j\u00e4hrige Oberstufe \u00fcbertreten. Genau diese Sch\u00fcler unterrichte ich dort &#8211; und ich registriere erhebliche Unterschiede zwischen diesen Sch\u00fclern und meiner gymnasialen Stammklientel. Sie sind nicht kl\u00fcger oder d\u00fcmmer &#8211; aber es ist deutlich zu sp\u00fcren, dass der \u00dcbertritt auf die Oberstufe ihre pers\u00f6nliche Entscheidung war; dass sie mit einer gewissen pers\u00f6nlichen Reife getroffen wurde; dass man sich bewusst ist, dieses selbstgew\u00e4hlte Ziel nur mit erheblicher Anstrengungsbereitschaft erreichen zu k\u00f6nnen; dass man nicht Teil einer auch sozialen Auslese ist. Ganz erkennbar h\u00f6her ist die \u00fcber Jahre gemeinsamen Unterrichts gewachsene Sozialkompetenz &#8211; gut ablesbar in allen sozialen Unterrichtsformen, die hier erheblich unkomplizierter ablaufen als anderswo.<\/p>\n<p>Bei allen durchaus vorhandenen Problemen &#8211; daran kann ich nichts Negatives erkennen&#8230; \u00c4hnliche Impulse k\u00f6nnten auch dem typischen Gymnasium einen erheblichen Entwicklungsschub versetzen. Warum eigentlich nicht?<\/p>\n<p>Ich f\u00fcr meinen Teil werde das Projekt Gemeinschaftsschule mit wachem Interesse verfolgen &#8211; es ist mir allemal einsichtiger als manch andere Sau, die in den letzten Jahren durch die Th\u00fcringer Schuld\u00f6rfer getrieben wurde&#8230;<\/p>\n<p>Zu vertiefender Lekt\u00fcre empfohlen eine <a title=\"Expertenaussagen\" href=\"http:\/\/www.gsv-berlin.de\/doc\/fundgrube\/2007_stimmen_von_expertenverbaenden.pdf\" target=\"_blank\">Sammlung von Expertenaussagen<\/a> zum Thema, eine recht neutrale Darstellung des Debattenstands in der <a title=\"welt-Debatte\" href=\"http:\/\/debatte.welt.de\/kommentare\/165201\/wie+thueringen+die+bildung+reformieren+will\" target=\"_blank\">&#8220;Welt&#8221;<\/a> und \u00dcberlegungen zum <a title=\"Heterogene Gruppen\" href=\"http:\/\/www.gsv-berlin.de\/doc\/fundgrube\/2006_heterogenitaet_tillmann.pdf\" target=\"_blank\">Unterricht in inhomogenen Gruppen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man mag dazu stehen, wie immer man will: mein Bundesland wird nun schwarz-rot regiert. 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